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Pressestimmen zu „Harold und Maude”
Keinesfalls verstaubt, sondern voller Wärme und Charme – so ging das Stück „Harold und Maude“ in der „Komödie“ über die Bühne. Regine Lutz, anrührend und aufmüpfig zugleich, zog mit ihrer Spielfreude das ganze Ensemble mit.
Der rote Samtvorhang in der „Komödie“ ist diesmal nicht zu sehen. Stattdessen bauschen sich weiße Seidentücher und nehmen mit ihrem Flattern die Leichtigkeit dieser Inszenierung voraus. Wie hingetüpfelt erscheinen die Szenen von „Harold und Maude“, die Regisseur Udo Schürmer zu einem kurzweiligen Kaleidoskop verwoben hat. Die raffiniert gebaute Kulisse erinnert in ihrem tiefen Blau an eine wundersame Unterwasserwelt. Sie kommt fast ohne Requisiten aus, und doch erfüllt sie alles, um dem Stück von Colin Higgins einen glaubhaften Rahmen zu geben – als Salon, Friedhof, Wald oder Wohnzimmer.
Großartige Schauspielkunst
Darin tummeln sich die Figuren wie seltsame Fische. Das schillerndste Exemplar ist die fabelhafte Regine Lutz als Maude: farbenfroher Schal, gestreifte Hose, Käppi. Ihr verfällt nicht nur der spröde Harold, sondern in Handumdrehen auch die verzückten Zuschauer. Es ist eine Lust, dieser vor Jugendlichkeit sprühenden Schauspielerin zuzuschauen. Die Zauberfrau robbt auf Knien, klettert auf Bäume, klaut Autos, ist anrührend und aufmüpfig. Jeder Blick, jede Geste, ja sogar ein knappes Knicken mit dem Fuß künden von ihrer großartigen Schauspielkunst.
Die gebürtige Schweizerin Regine Lutz, von Bertolt Brecht 1949 ins Berline Ensemble geholt, ist ein wahrer Glücksgriff für die „Komödie“, die den Mut hatte, die romantische Liebesgeschichte um ein ungleiches Paar auf den Spielplan zu heben. Zweifel waren angebracht: Ist der Stoff aus den 70er Jahren nicht verstaubt? Trifft er noch heute ins Herz? Nach diesem Abend voller Wärme und Charme sind sie ausgeräumt. „Harold und Maude“ entfaltet eine Kraft, die einen gerne glauben lässt, dass Zuneigung und Lebenslust unabhängig vom Alter sind. Gewiss ist Regine Lutz Dreh- und Angelpunkt. Aber die anderen ziehen mit, laufen zur Hochform auf: Wolfgang Welter als barocker Pater, Angelika Bartsch als verzickte Mutter, Volker Conradt als beflissener Inspektor und routinierter Psychiater. Insa M. Steinhaus erfüllt temperamentvoll ihre drei kleinen Rollen, Sylvia Schlunk gibt munter die gebeutelte Mary. Bestens gelungen ist das Wagnis, den heiklen Part als Harold mit Robert Naumann zu besetzen. Ein Schauspielschüler noch, der tatsächlich etwas wohltuend Unfertiges, Unausgereiftes hat. Hier passt es. Wenn der Schlaks mit dem makabren Späßen schockiert, provoziert oder finster ins Leere starrt, erinnert er an eine Comicfigur. Sein Tanz mit Maude, seine keimende Liebe, beider Blick in die Sterne, das sentimentale Ende – das greift ins Gemüt.
Das Publikum geht bei der Premiere mit, hebt sich danach aus den Sitzen und umschlingt Regine Lutz und das Ensemble mit kaum enden wollendem Jubel.
(RP 12.10.2007)
Harold und Maude: Tolle Premiere in der Komödie.
Ganz wunderbares Theater
Boulevard, Komödie, Schauspiel, Tragödie? Egal – einfach ein schönes Stück Theater ist „Harold und Maude“ von Colin Higgins, das jetzt umjubelte Premiere in der Komödie in der Steinstrasse hatte. Wer den Kultfilm von 1971 kennt, mag der Bühnenversion zunächst skeptisch begegnet sein. Doch Regisseur Udo Schürmer vollbringt das Kunststück, den Zuschauer sofort mitzunehmen beim pointiert erzählten Geschehen auf der Bühne. In kompakten Bildern hat er den Stoff um das ungleiche Liebespaar, den 20-jährigen Harold (Robert Naumann) und die 60 Jahre ältere Maude (Regine Lutz), mit leichter Hand inszeniert.
Für den spätpubertären Lulatsch Harold, der seine Upperclass-Mama (perfekt gespielt von Angelika Bartsch) mit vorgetäuschten Selbstmorden als makabre Späßchen drangsaliert, kommt die Begegnung mit der exzentrischen Maude gerade recht. Sie lehrt ihn Jodeln, klettert auf Bäume und klaut das Motorrad des Pastors. Doch auch Champagner gibt´s bei ihr und Rock´n´Roll wird getanzt – passend zu ihrer Philosophie, man müsse „das Leben einfach ganz ausschöpfen“. Da schmilzt die Distanz der Jahrzehnte ruck, zuck dahin, denn Esprit und Charme machen bekanntlich sexy. So wird aus Seelenverwandtschaft Liebe.
Schauspielstudent Robert Naumann hat als Babyface Harold möglicherweise den Grundstein zu einer steilen Karriere gelegt. Die einstige Brecht-Schauspielerin Regine Lutz zieht als kleine Grande Dame Maude alle Register ihrer Kunst und wird mit stehenden Ovationen und einem Beifallsorkan vom Publikum belohnt. Glänzend aber auch das restliche Ensemble mit Volker Conradt und Insa M. Steinhaus in Mehrfachrollen, Wolfgang Welter und Sylvia Schlunk. „Melancholie und Hoffnung zugleich“ empfand TV-Star Renan Demirkan nach der Premiere.
(EXPRESS 12.10.2007)
Premiere Die Komödie Steinstraße inszeniert „Harold und Maude“ mit nachdenklichem Witz.
Geschrieben wurde „Harold und Maude“ als Komödie, berühmt wurde das von Colin Higgins verfasste Stück durch den gleichnamigen Film von 1971. Nun feiert das tragikomische Bühnenopus in der Regie von Udo Schürmer Premiere in der Komödie an der Steinstraße. Protagonisten sind die schweizerische Brecht-Schauspielerin Regine Lutz, Jahrgang 1928, und der aus Halle/Saale stammende Robert Naumann, Jahrgang 1985.
Schürmer arbeitet die komischen Effekte deutlich heraus.
Udo Schürmer arbeitet die komischen Effekte deutlich heraus. Und er hat das Glück, in Regine Lutz und Robert Naumann zwei brillante Darsteller gefunden zu haben, denen es gelingt, die Komik und Melancholie einer Liebe, die zwei Generationen überspringt, überzeugend an der Zuschauer heranzutragen.
Die Mutter, nuancenreich und pointiert dargestellt von Angelika Bartsch, kommt mit ihrem Sohn Harold kaum klar, sucht Hilfe beim Psychologen und arrangiert desaströse Rendezvous mit jungen Damen.
Eine zugleich heitere und nachdenkliche Inszenierung mit viel Witz und feiner Melancholie.
(WZ 12.10.2007)
Premiere. „Harold und Maude“ in der Komödie mit komisches und tragischen Momenten: Ein Liebespaar gegen jedes Klischee.
Mit dieser anrührenden Liebesgeschichte zeigt das Theater an der Steinstraße, wie weit sein Repertoire mittlerweile gespannt ist. Weder schenkelklopfendes Boulevard noch, wie kürzlich eine hinreißende Travestie-Show erwartet den Besucher diese „Komödie“, die eigentlich keine ist. Harold und Maude schlagen mit ihren verqueren Wesen und Taten eher einen ernsten, nachdenklichen Tonfall an und passen daher gut zur Stimmung des bald beginnenden Novembers.
Nervensäge im Chanelkostüm
Sie hat zwar keinen Heller, isst aber Äpfel und trinkt Champagner. „Ist organisch“, flüstert sie dem spröden, linkische Harold ein. Der lebensüberdrüssige Junge, der sonst nie Alkohol trinkt, gerät in den Bann der reifen Frau und findet plötzlich Gefallen am Leben und an der Liebe. Aufgekratzt, quicklebendig über Stock und Stein springend, mir strahlenden Augen und geöffnetem Geist entlockt Regine Lutz dieser Rolle zutiefst menschliche Facetten und sorgt für komische, aber, zu Schluss auch, für berührende Momente.
In Robert Naumann findet die kleinwüchsige Darstellerinm, die schon vor 60 Jahren auf den Brettern des Berliner Ensembles stand, ein geeignetes Pendant. Der erst 22jährige Mime, schlaksig und leicht unbeholfen in schwarzem Anzug, trotzt den Heiratswünschen seiner ehrgeizigen Mutter und spielt die Nervensäge. Sie (Angelika Bartsch), in Chanelkostüm und Designer-Schühchen. Läuft aufgebracht hin und her, findet keine Ruh`, bis der Sohnemann plötzlich von Heirat mit einer Gräfin spricht. Eine lachintensive Comedynummer liefert sie, als sie der Schwiegertochter, die vom Alter her, ihre eigene Mutter sein könnte, gegenübersteht. Dass es dann doch nicht zur Hochzeit kommt, weiß jeder, der den Film kennt.


